Tomaten-Anbau: 3 Profi-Tipps für die Ernte im September

Der September ist Erntezeit für Tomaten. Mit diesen 3 Profi-Tipps holst du das Maximum aus deinen Pflanzen heraus und weißt, was jetzt wirklich zählt.

Von Garten&Ich-Redaktion• ErnteSommerTomaten
Reife und halbgrüne Tomaten an einem Strauch im Herbstgarten im September
Reife Tomaten am Strauch im Septemberlicht: Jetzt ist Erntezeit.
Inhalt ▼
  1. September: Die entscheidenden Wochen für Tomaten
  2. Tipp 1: Gezielt ausgeizen und entblättern
  3. Tipp 2: Grüne Tomaten nachreifen lassen
  4. Tipp 3: Krankheiten erkennen und richtig reagieren
  5. Das richtige Ende der Tomatensaison
  6. FAQ
  7. Fazit

Tomaten sind für viele Hobbygärtner das Herzstück des Sommerbeetes. Aber mal ehrlich: Wer im September noch randvolle Sträucher hat, fragt sich spätestens jetzt, was jetzt noch zu tun ist. Die gute Nachricht ist, dass du gerade in diesem Monat mit ein paar gezielten Handgriffen wirklich noch viel herausholen kannst. Die Nächte werden kühler, die Tage kürzer, und Tomaten reagieren sensibel auf diese Veränderungen. Wer jetzt die richtigen drei Dinge tut, erntet bis in den Oktober hinein und verschwendet keine einzige Frucht. Hier kommen die drei Profi-Tipps, die den Unterschied machen.

Tipp 1: Jetzt konsequent ausgeizen und entblättern

Im September ist das Ausgeizen für neue Triebe längst keine sinnvolle Arbeit mehr. Alle Energie der Pflanze soll jetzt in die vorhandenen, bereits angesetzten Früchte fließen. Trotzdem lohnt sich ein kritischer Blick in den Strauch: Alles, was jetzt noch an neuen Blütentrieben austreibt, wird keine reifen Früchte mehr bringen. Brich oder schneide diese Triebe sauber ab.

Was viele vergessen, ist das gezielte Entblättern. Entferne die unteren Blätter, die den Boden berühren oder bereits vergilbt und fleckig sind. Das hat zwei Vorteile:

  • Die Luftzirkulation am Stamm verbessert sich deutlich, was Pilzkrankheiten wie die Kraut- und Braunfäule bremst.
  • Die verbleibenden Früchte bekommen mehr direktes Licht und reifen schneller nach.

Geh dabei nicht zu radikal vor: Blätter, die sich direkt über einer Fruchttraube befinden und noch grün und gesund sind, dürfen bleiben. Sie produzieren noch Assimilate, die der Fruchtreife zugutekommen.

Profi-Tipp

Schneide Blätter immer mit einer sauberen, scharfen Schere, damit die Schnittfläche glatt ist und schnell abheilt. Wische die Schere zwischen verschiedenen Pflanzen kurz mit einem Tuch ab, auf das du einen Spritzer Alkohol gegeben hast. So trägst du keine Pilzsporen von Pflanze zu Pflanze.

Tipp 2: Grüne Tomaten richtig nachreifen lassen

Noch grüne Tomaten im September sind kein Verlust, sondern eine Chance. Der häufigste Fehler: Sie einfach hängen lassen und hoffen, dass die Sonne es noch richtet. Das klappt oft nicht mehr, denn sobald die Nachttemperaturen dauerhaft unter 10 Grad fallen, stoppen Tomaten die Reifung weitgehend.

Methode 1: Nachreifen am Strauch beschleunigen

Wenn die Temperaturen noch mitspielen, kannst du die Reifung am lebenden Strauch beschleunigen. Entferne alle Blätter, die Früchte beschatten. Schneide außerdem die Wurzeln an einer Seite leicht ein oder hebe den Strauch minimal aus dem Boden an. Dieser kleine Stressreiz signalisiert der Pflanze, dass ihre Zeit abläuft, und sie leitet die Energie beschleunigt in die Früchte.

Methode 2: Nachreifen nach der Ernte

Grüne bis leicht angedeutete Tomaten kannst du bedenkenlos von der Pflanze nehmen und drinnen nachreifen lassen. Lege sie nebeneinander auf eine Fensterbank oder in eine flache Schale, aber nicht in den Kühlschrank. Wichtig: kein direktes Sonnenlicht. Es ist das Ethylengas, das die Frucht selbst produziert, das die Reifung steuert, nicht die Wärme allein. Lege eine reife Tomate oder einen reifen Apfel dazu: Sie geben besonders viel Ethylen ab und beschleunigen die Reifung ihrer grünen Nachbarn spürbar.

Grüne und halbgereifte Tomaten liegen auf einer hellen Holzfensterbank zum Nachreifen
Grüne und halbgereifte Tomaten auf einer hellen Fensterbank zum Nachreifen.
Profi-Tipp

Kontrolliere nachreifen Tomaten jeden zweiten Tag. Eine angefaulte Frucht in der Gruppe setzt so viel Ethylen frei, dass sie die anderen beschleunigt, aber auch Schimmel überträgt. Nimm weiche oder schadhafte Tomaten sofort heraus.

Lesetipp

Was im September im Garten insgesamt ansteht, vom Ernten bis zur richtigen Lagerung von Obst und Gemüse, erfährst du hier: Garten im September: Erntezeit, Herbst Gartenarbeit & Obst Aufbewahrung.

Tipp 3: Krankheiten jetzt erkennen und richtig handeln

Der September ist die Zeit, in der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) oft ihren stärksten Schub erlebt. Kühle, feuchte Nächte und taubedeckte Morgenstunden sind ideale Bedingungen für den Pilz. Wer jetzt nicht genau hinschaut, kann binnen weniger Tage eine ganze Ernte verlieren.

So erkennst du die Kraut- und Braunfäule

  • Dunkelbraune bis schwarze, ölig wirkende Flecken auf Blättern und Stängeln
  • Früchte zeigen braune, eingesunkene Flecken, die sich schnell ausdehnen
  • Weißlicher Pilzrasen auf der Blattunterseite bei feuchtem Wetter

Was du jetzt tun kannst

Betroffene Pflanzenteile müssen sofort und vollständig entfernt werden. Wirf sie nicht in den Kompost, sondern in den Hausmüll oder verbrenne sie. Befallene Früchte, die noch keine Symptome außen zeigen, kannst du retten, wenn du sie sofort erntest und genau inspizierst: Schneide befallene Stellen großzügig weg und verwende die gesunden Teile rasch.

Als vorbeugende Maßnahme hat sich das Besprühen mit einer Backpulver-Wasser-Lösung (1 Teelöffel Backpulver auf 1 Liter Wasser, ein Spritzer Rapsöl dazu) bewährt. Sie verändert den pH-Wert auf der Blattoberfläche und macht es Pilzen schwerer, sich festzusetzen. Sprühe morgens, damit die Blätter bis Mittag abtrocknen.

Das richtige Ende der Tomatensaison einleiten

Irgendwann, spätestens wenn die ersten Nächte unter 5 Grad fallen oder der Pilzbefall überhand nimmt, ist es Zeit, die Saison zu beenden. Ernte dann alle verbliebenen Tomaten, egal wie grün sie noch sind. Reiß die Pflanzen komplett aus dem Boden: Kranke Pflanzen kommen in den Müll, gesunde in den Kompost. Grabe das Beet anschließend um und lasse es über den Winter offen liegen. Der Frost tötet viele im Boden verbliebene Pilzsporen und Schädlingseier ab.

Den Tomatenstand oder das Gewächshaus säuberst du gründlich mit heißem Wasser und etwas Essig. Nächstes Jahr solltest du Tomaten an einem anderen Standort pflanzen, denn Krankheitserreger können im Boden mehrere Jahre überleben.

FAQ: Tomaten im September

Kann ich Tomaten noch im September pflanzen?

Nein, das ist für dieses Jahr zu spät. Tomaten brauchen nach dem Pflanzen mindestens 8 bis 10 Wochen bis zur ersten Ernte, und die Temperaturen im September reichen dafür nicht mehr aus. Konzentriere dich jetzt auf das Ernten und Nachreifen der vorhandenen Früchte.

Meine Tomaten reißen auf. Was ist passiert?

Aufgeplatzte Tomaten entstehen durch ungleichmäßige Bewässerung. Nach einer Trockenphase nimmt die Pflanze bei einem kräftigen Regen oder Gießen sehr viel Wasser auf, das Fruchtfleisch wächst schnell, aber die Schale kann nicht mithalten. Ernte solche Früchte sofort und verarbeite sie rasch, sie sind noch voll verwendbar, faulen aber schnell.

Wie lange halten frische Tomaten nach der Ernte?

Reife Tomaten halten bei Zimmertemperatur 3 bis 7 Tage, je nach Sorte und Reifegrad. Lagere sie nie im Kühlschrank, denn unter 12 Grad verlieren sie ihr Aroma und ihre Textur leidet erheblich. Am besten liegst du mit einer kühlen Ecke in der Küche oder einem luftigen Vorratsraum.

Sind grüne Tomaten giftig?

Grüne Tomaten enthalten den Stoff Solanin, der in größeren Mengen giftig ist. In kleinen Mengen, etwa als grüne Tomatenchutney oder eingelegt, sind sie aber völlig unbedenklich. Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet einfach, bis die Früchte vollständig nachgereift und rot sind.

Was tue ich, wenn meine Tomaten dieses Jahr Krautfäule hatten?

Baue im nächsten Jahr Tomaten an einem anderen Standort an, das ist die wichtigste Maßnahme. Wähle außerdem widerstandsfähige Sorten, die als tolerant gegenüber Phytophthora eingestuft sind, zum Beispiel Phantasia oder Escadro. Vermeide es, die Blätter beim Gießen nass zu machen, und sorge für gute Luftzirkulation durch regelmäßiges Ausgeizen.

Fazit

Der September ist nicht das Ende der Tomatensaison, sondern ihr Höhepunkt, wenn du die richtigen Dinge tust. Konsequentes Entfernen unnötiger Triebe und alter Blätter, das richtige Nachreifen auch grüner Früchte und ein wachsames Auge auf Krankheiten: Das sind die drei Hebel, die jetzt wirklich zählen. Mit diesen Profi-Tipps holst du aus jeder Pflanze das Maximum heraus und gehst gut vorbereitet in die nächste Gartensaison. Gute Ernte!